Seit dem Frühjahr 2011 unterstützt die Deutsche Wildtier Stiftung ein Schreiadlerprojekt in Lettland, bei dem das Brutgeschehen an zwei dortigen Schreiadlerhorsten in Echtzeit auf die Internetseite der Deutschen Wildtier Stiftung übertragen wird. Im Frühjahr vor der Ankunft der Schreiadler installiert dafür der lettische Schreiadler-Experte und Kooperationspartner der Deutschen Wildtier Stiftung Dr. Uģis Bergmanis an zwei bekannten Horsten je eine versteckte Kamera.

Die versteckte Kamera in gut zehn Metern Höhe dokumentiert wie aus einem seltenen Greifvogel-Küken ein stolzer Adler wird. Doch es geht nicht nur um schöne Bilder, sondern um handfeste Forschung: Die Übertragung ist Teil eines Projektes der Staatlichen Forstverwaltung in Lettland, bei dem die Nahrungszusammensetzung für Schreiadler-Küken untersucht wird.

Best of Adler-TV 2011 bis 2017

Die Projektpartner der Deutschen Wildtier Stiftung haben in den vergangenen Jahren immer wieder tolle Videos aus dem Schreiadlerhorst im Internet veröffentlicht. Die folgenden Auswahl der besten Szenen, unter anderem die Attacke eines Habichts auf einen Nestling, der Diebstahl eines unbefruchteten Eis durch einen Kolkraben oder der einsetzende Kainismus kurz nach dem Schlupf des zweiten Kükens, geben einen spannenden Einblick in das Brutgeschehen der Schreiadler.

2017

Alles begann planmäßig: Anfang April trafen Schreiadler-Weibchen und Männchen kurz nacheinander in Lettland ein und begannen, den Horst für die neue Brutsaison zu flicken, umzubauen und mit frischen Zweigen zu schmücken.

9. April 17: Schmücken des Horstes

Weil der Mai in Lettland dann aber ebenso kalt wurde wie bei uns in Deutschland gab es eigentlich nur wenig Hoffnung, dass die Schreiadler vor einer Kameralinse von Adler-TV wirklich zur Brut schreiten würden. Doch am 5. Mai lag das erste Ei im Schreiadler-Nest. Seitdem verließ die Adlerdame das Nest nur noch sehr selten und wurde vom Männchen regelmäßig mit Nahrung versorgt und, wenn nötig, vor Feinden geschützt.

7. Mai 17: Ein ungebetener Gast 

18. Mai 17: Das Männchen füttert das brütende Weibchen 

Am 8. Juni konnten schließlich doch tolle Aufnahmen vom Schlupf des Jungvogels per livestream beobachtet werden.

8. Juni 17: Küken aus dem Ei!

8. Juni 17: Erst zwei Stunden alt

In den Wochen nach dem Schlupf wurde das Küken von seinen Eltern gehegt und gepflegt und vor allem gefüttert. Der verfressene „Halbstarke“ verschlang alles, was die Altvögel ihm servierten: Frösche und Kröten, Mäuse und Maulwürfe. Von Tag zu Tag wurde das Küken größer.

24. Juni 17: Fütterung I.

12. Juli 17: Fütterung II.

Mitte Juli gab es dann einen großen Aufreger am Schreiadler-Horst: Mit Seilen gesichert erklomm Ugis Bergmanis den Schreiadler-Horst um den Jungvogel zu Beringen. Selbstverständlich wurde dem Kleinen dabei kein Haar gekrümmt und im August war aus ihm ein strammer Nestling geworden, der seine ersten Flugversuche unternahm.

15. Juli 17: Beringung durch Ugis Bergmanis von der Lettischen Staatsforstverwaltung

Schreiadler Webcam Lettland

22. Juli 17: Fütterung  III.

Ende August kam der bereits selbstständige Jungvogel noch einmal in den mittlerweile verwaisten Horst.

27. August 17: Ein letztes Mal am Horst

2015

29.04.2015         Ankunft 2015

2014

12.06.2014         Kolkrabe stielt Ei 

WebCam_Schreiadler_Kolkrabe

2013

09.06.2013         Zwei Altvögel mit Küken

19.06.2013         Kainismus

25.07.2013         Fütterung

2012

05.05.2012         Zwei Eier im Nest

09.06.2012         Brutgeschehen

10.06.2012         Schlupfhilfe und Maulwurfbeute

12.06.2012         Schlupf

WebCam_Schreiadler_Schlupf

03.07.2012         Fütterung des Kükens 

05.07.2012         Zwei Altvögel füttern

21.07.2012         Beringung

WebCam_Schreiadler_Beringung

31.07.2012         Habichtattacke auf Nestling

WebCam_Schreiadler_Habichtattacke

06.08.2012         Altvogel fütter Nestling

19.08.2012         Flugübungen des Nestlings

27.08.2012         fressender Nestling

2011

31.05.2011         Zwei Eier im Nest

13.06.2011         Jungvogelmanagement

Rückblick

Besonders erfolgreich verlief die Brutsaison 2012. Ab April des Jahres konnten Schreiadlerfreunde den Nestbau der Altvögel und das anschließende Brutgeschehen verfolgen. Am 11. Juni 2012 schlüpfte das erste Küken vor den laufenden Kameras von Adler-TV. Danach konnten die Zuschauer beobachten, wie die Altvögel Frösche oder kleine Säugetiere in den Adlerhorst brachten und der verfressene „Halbstarke“ sein Gewicht innerhalb von sechs Wochen fast um das 20-fache steigerte. Anfang September machte sich der mittlerweile flügge gewordene Jungvogel schließlich auf seine erste große Reise ins südliche Afrika.

2013 kam es erneut zur erfolgreichen Horstbesetzung. Mit Balzrufen und imposanten Girlandenflügen hatte das Schreiadlerpärchen tagelang umeinander geworben, ehe Anfang Mai zwei Eier im Horst lagen. 34 Tage später schlüpfte das erste von zwei Küken, das später nach einem ausgerufenen Namenswettbewerb Pepe getauft wurde – benannt nach dem seinerzeit frisch verpflichteten Trainer des FC Bayern München. Ende August verließen Pepe und seine Eltern wieder das Naturreservat Teici und flogen gen Süden. Damit war für das Jahr 2013 Sendeschluss bei Adler-TV.

2014 standen die Akteure im Schreiadlerhorst jedoch unter keinem guten Stern: Der erste Horst, den Ugis Bergmanis mit einer webcam versehen hatte, war nach wenigen Tagen vom Brutpaar verlassen. In einem zweiten Schreiadlerhorst, der kurzfristig als alternativer Drehort dienen musste, lagen dann Anfang Mai zwei Eier im sorgfältig ausgepolsterten Horst und wurden von den Vogeleltern in spe bebrütet. Bis Anfang Juni wartete die Fan-Gemeinde via Internet auf den Nachwuchs. Doch am 12. Juni 2014 verließ der brütende Schreiadler seinen Horst und ließ das Ei zurück. Ein Kolkrabe nutzte wenig später den unbeobachteten Moment und stahl das vermutlich unbefruchtete Ei. Damit war die Brutsaison für 2014 beendet.