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Flugdaten des Schreiadlers

Startgebiet Winterzug: Baltikum, Polen, Weißrussland, Balkan, Deutschland

Zielgebiet: Simbabwe, Sambia, Mosambik, Namibia, Südafrika

Länge der Zugroute: ca. 10.000 km

Zughöhe: max. 2.000 m

Zuggeschwindigkeit: 40-60 km/h

max. Zugstrecke/ Tag: > 500 km (Ø 150 km /Tag)

Zugdauer: ca. 65 Tage

Zum Winterzug brechen Schreiadler Anfang September zu ihrem 10.000 Kilometer langen Zug ins südliche Afrika auf. Kein anderer heimischer Greifvogel legt eine solche Distanz zurück, die meisten Arten ziehen „nur“ bis Südeuropa oder nach Nordafrika. Als sogenannter Thermiksegler nutzt er die Aufwinde über Land, um weite Strecken seines Zuges gleiten zu können. Die Überquerung von Meeren ist dadurch ausgeschlossen. Erfahrene Altvögel ziehen aus Deutschland in Richtung Süd-Osteuropa und überqueren mit dem Bosporus die Meerenge zwischen Europa und Kleinasien. Danach passieren die Vögel die Sinai-Halbinsel und erreichen mit der Überquerung des Suezkanal den Afrikanischen Kontinent.

Ab Mitte November hält sich der größte Teil der Schreiadler in Simbabwe, Sambia, Mosambik, dem Norden Namibias sowie dem Nord-Osten Südafrikas auf. Die Greifvögel folgen hier den Regenfronten, die für ein gutes Nahrungsangebot sorgen. Dadurch sind Schreiadler manchmal in Gruppen von bis zu 1.000 Vögeln anzutreffen.

Eine wichtige Nahrungsquelle der Schreiadler sind in Afrika die Jungen des Blutschnabelwebers, des wahrscheinlich häufigsten Vogels der Welt. Eine andere Nahrungsquelle sind eiweißreiche Termiten. Spätestens im Februar beginnt dann der Frühjahrszug der Schreiadler zurück in ihre Brutgebiete nach Europa.

Grundsätzlich gilt das Zugverhalten von Greifvögeln als angeboren. Wie alle Zugvögel orientieren sich Schreiadler bei ihrem Zug am Magnetfeld der Erde, der Sonne und an markanten Landmarken wie Gebirgsketten oder Küstenlinien.

Gefahren am Mittelmeer

Bei ihrer Reise sind die Schreiadler zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Eine häufige Todesursache der Altadler ist die illegale Jagd in den Ländern des Nahen Ostens oder auch in der Türkei, wo es noch immer als ein Statussymbol betrachtet wird, Greifvögel zu jagen. Die Jungvögel sterben dagegen häufig durch Wahl der „falschen“ Zugrichtung: Wählt ein Jungadler eine Zugroute über das Mittelmeer wird er zwangsläufig ertrinken.

Die Deutsche Wildtier Stiftung stellt die Reise und den Zugkorridor der bedrohten Tiere für Sie nach. Klicken Sie auf die Wegmarken entlang des Flugkorridors und erfahren Sie mehr über den Zug der Schreiadler

 


Der Zugweg des Schreiadlers auf einer größeren Karte anzeigen

Neue Erkenntnisse zum Winterzug

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat mit finanzieller Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) das Projekt „Jungvogelmanagement“ (2006 – 2011) durchgeführt. Die Partner des damaligen Projektes haben nun die wissenschaftlichen Auswertungen zum Zugverhalten junger Schreiadler im angesehenen Journal of Experimental Biology veröffentlicht. Und die Forschungsergebnisse der über 50 im Projekt telemetrierten Schreiadler lassen sich sehen: Das Team hat herausgefunden, dass junge Schreiadler auf den Anschluss an erfahrene Altvögel angewiesen sind, um die beste Zugroute über den Bosporus ins südliche Afrika zu finden. Allein ziehende Jungadler aus Deutschland zogen dagegen tendenziell eher in Richtung Süden und verendeten dann zwischen Italien und Afrika im Mittelmeer.

Und noch ein weiteres Phänomen wurde durch das Projekt der Deutschen Wildtier Stiftung beobachtet: „Importierte“ Jungadler, die in Lettland aus dem Horst entnommen und in Deutschland per Hand aufgezogen wurden, betrachten die Region ihrer Auswilderung als ihr angestammtes Brutgebiet und nicht ihren Geburtsort. Einige der aus Lettland importierten Jungvögel wurden nämlich später als Brutvögel in Deutschland und Polen beobachtet. Ein in Lettland geborenes und später in Brandenburg ausgewildertes Männchen besetzte in den Folgejahren sogar ein Revier in nur wenigen Kilometern Entfernung von der Auswilderungsstation.

Zu dem Abschlussbericht des Projektes „Jungvogelmanagement“ gelangen Sie hier.

Zu der Veröffentlichung im Journal of Experimental Biology gelangen Sie hier.